24 November 2010, Mittwoch

25. November: Frauen treffen sich in Ankara

Frauen aus der gesamten Türkei werden sich am heutigen 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen, vor dem Parlament in Ankara treffen. Ihre grundlegendste Forderung ist die nach gesetzlichen Vorkehrungen, um Verbrechen an Frauen zu verhindern.

Die Plattform 'Wir stoppen Verbrechen an Frauen' wird sich im Parlament mit Abgeordneten treffen, um ihre Forderung nach verdienter Strafe für Frauenmörder zu verdeutlichen und über notwendige gesetzliche Massnahmen zu sprechen. Die aus vielen Provinzen anreisenden Frauen werden den Abgeordneten überdies einen Bericht über Verbrechen an Frauen zur Verfügung stellen und eine Unterschriftensammlung übergeben. Zeitgleich wird es eine Presserklärung vor dem Parlamentseingang  Dikmens geben. Auch die Mutter der 2009 ermordeten Münevver Karabulut wird anwesend sein. Einen Tag später, am 26. November, werden die Frauen auch die Verhandlung um die Ermordung Münevver Karabuluts in Bakırköy/Istanbul beobachten.

Türkeiweit wird jeden Tag eine weitere Frau von ihr "am nächsten Stehenden", von ihrem Ehemann, ihrem Bruder, ihrem Vater, ihrem Geliebten oder einem ihr völlig unbekannten Mann ermordet. Frauenorganisationen weisen darauf hin, dass Verbrechen an Frauen inzwischen einen systematischen Charakter angenommen haben. Männer sähen es als ihr Recht an, Frauen zu töten. Frauenorganisationen bewerten angesichts dessen die noch oft angewandte Strafminderung für die Urheber von Verbrechen an Frauen als offene Anstiftung zu solchen Verbrechen. Sie verlangen ihre Aufhebung und gesetzliche Massnahmen zu deren Verhinderung.

AKTION GEGEN DREIEINIGKEIT VON MÄNNERN, STAAT UND JUSTIZ

Auch Birsen Kaya, Sprecherin der an die Sozialistische Partei der Unterdrückten (türk. ESP) angeschlossenen Sozialistischen FrauenParlamente (türk. SKM), dass Gewalt gegen Frauen nicht eine Frage von Einzelfaellen, sondern eine Erscheinung sei, hinter der eine Systematik stehe. "Diese Verbrechen haben die Qualität eines Krieges angenommen, den ein Geschlecht gegen das andere auf Basis der historischen und gesellschaftlicehn Machtverhältnisse führt", so Kaya. "Wir Frauenorganisationen sind dazu verurteilt, die Anzahl der getöteten Frauen wie eine Kriegsbilanz zu erklären."

'DER STAAT SCHÜTZT DIE MÖRDER'

Im Namen der Frauen der Partei EHP sprach Özge Akman. In den letzten sieben Jahren haetten die Verbrechen an Frauen um 400 Prozent zugenommen, ein erschreckendes Niveau sei erreicht, so Akman: "Wir verlangen, dass der Staat, statt die Täter zu schützen, gesetzliche Massnahmen ergreift."

JUSTIZ WENDET IN MÄNNLICH ZENTRIERTER LOGIK STRAFMINDERUNG

Demet Demir von der Istanbuler Schwullesbisch/Bi/Transsexuellen Zivilgesellschaftlichen Initiative lenkte die Aufmerksamkeit auf Hassverbrechen. Diese müssten auf Verfassungsebene als Verbrechen definiert werden; in der Verfassung müsse ein Artikel über "sexuelle Orientierung und sexuelle Identität" verankert werden, so Demir in einer Kritik des Ansatzes der Gerichte. "Justiz und Gesetz folgen mit Strafminderungen einer männlich zentrierten Logik. Diese lautet, der Mann macht was er eben will. Gäbe es ein gerechtes System, dann wäre so etwas unmöglich."

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