09 Juni 2010, Mittwoch

AKTİON SOZİALİSTİSCHER FEMİNİSTİNNEN TAUCHT FLANİERMEİLE İN LİLA

"Geh selbst brüten!"

Mitglieder des Istanbuler Sozialistisch-feministischen Kollektivs (SFK), die am Wochenende als „Gläubigerinnen der Männer‟ zum Galatasaray-Gymnasium im Istanbuler Zentrum zogen, forderten lautstark: „Wir wollen unser Leben für unsere in Tagen, Monaten, Jahren verausgabte Arbeit!".

Mit Pfeifen, Trompeten und Slogans wie „Unsichtbare Arbeit, mach deine Stimme hörbar!‟, „Männer ins Haus, Kinder hüten!‟ und „Wir sind niemandes Ehre!‟ machten die Frauen die Straβe unsicher. Ein spezieller Gruss richtete sich an den Premierminister, der im letzten Jahr mit der Aufforderung an Frauen, mindestens drei Kinder zu gebären, geglänzt hatte: „Statt uns aufs Dach zu steigen, geh selbst brüten, Tayyip!‟

'WAS WİR TUN, GİLT NİCHT ALS ARBEİT'

Die Presseerklärung verlas Ece Kocabıçak. Sie betonte, dass Frauen 10 % des Welteinkommens und gerade einmal 1% der Produktionsmittel besäβen und kulturübergreifend noch immer die Ärmsten der Welt repräsentierten. „Bis zum heutigen Tag haben wir Tausende von Kindern aufgezogen, und niemand hat gesagt, ohne dass jemand gesagt hätte, genug. Nein, es heisst 'noch drei Kinder'. Wir haben Tausende Portionen Suppe gekocht, und niemand hat gesagt, wir seien Köchinnen - es wird vielmehr als unsere Pflicht angesehen. Wir haben Tausende Löcher gestopft, und niemand hat gesagt, wir seien Schneiderinnen - es hiess nur 'weiter, an die Arbeit'. Tausende Male haben wir die Haushaltskasse durchgerechnet, ohne dass jemand uns als Ökonominnen angesehen hätte. Hingegen hiess es: 'spart Wasser'. Zehntausendmal haben wir uns irgendwelchen Kummer angehört, aber niemand nennt uns Psychologinnen. Nein, sie fordern noch mehr Verständnis. Dagegen fordern wir unsere Tage, Monate, Jahre, unsere Arbeit zurück; wir wollen unser eigenes Leben!‟

'WİR SİND GLÄUBİGERİNNEN DER MÄNNER'

Wie Kocabıçak ausführte, seien Frauen weiterhin diejenigen, die am meisten in ungesicherten Arbeitsverhältnissen stehen und am schwersten eine Anstellung fänden. Sie ergänzte: „Wir sehen uns als Gläubigerinnen der Männer aufgrund der Arbeit, die wir verrichten. Ob wir auβer Haus arbeiten oder in Vollzeit als Hausfrauen, wir sind Gläubigerinnen der Männer, die uns alle Haus- und Sorgearbeit aufladen.‟ Die den Frauen zugeschriebene Rolle sei keineswegs natürlich, sondern gehe aus der geschlechtlichen Arbeitsteilung hervor, die in einem System männlicher Dominanz herrsche. Staat und Regierung agierten in Komplizenschaft mit diesem. Maβnahmen, die vordergründig der Steigerung der Frauenerwerbsarbeit dienten, führten tatsächlich dazu, sie in informelle und unversicherte Arbeitsverhältnisse abzuschieben. Auch hiergegen wende sich das SFK. „Wenn sich das nicht ändert, soll die Regierung auch keine leeren Erlasse zur Frauenerwerbsarbeit verabschieden‟, so Kocabıçak. Zu den Forderungen des SFK zählten „getrennte Elternzeit für Männer und Frauen, Arbeitszeitverkürzung für beide Geschlechter ohne Lohneinbuβen, keine Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz, eine Frauenquote in allen Ausbildungs- und Arbeitsbereichen, zeitlich unbegrenzte Zahlung von Arbeitslosengeld bei Arbeitsplatzverlust. Wir wollen unser eigenes Leben und unsere Freiheit, statt im Haus eingesperrt zu sein!"

Arbeits Welt