05 November 2010, Freitag

Unterschriftenkampagne und Prozess gegen Serie „Was ist Fatmagüls Verbrechen?‟

Frauenorganisationen in der Türkei haben eine Unterschriftenkampagne zur Beendigung der Serie „Was ist Fatmagüls Verbrechen?‟ begonnen. Den Initiatorinnen zufolge legitimiere die von eşnem Privatsender ausgestrahlte Serie Gewalt gegen Frauen und sexualisierte Übergriffe. Die Frauenorganisationen werden in Kürze auch Anklage erheben.

Im Rahmen der Aktivitäten zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen, haben die Mitglieder der Frauenplattform Adana einen Stand eröffnet, um Unterschriften für die Absetzung der Serie „Was ist Fatmagüls Verbrechen?‟ zu sammeln. Reyhan Kayışlı stellt im Namen der Frauenplattform fest, dass mit Beginn der Serie eine Zunahme von sexualisierten Übergriffen gegen Frauen zu verzeichnen sei. „Das Verbrechen der Vergewaltigung wird in der Serie regelrecht legalisiert. Das beweist sich dadurch, dass Elemente tatsächlicher Vergewaltigungsvorfälle den Szenen in der Serie aufs Haar ähneln.‟ Die Mitglieder der Plattform, an deren Unterschriftenkampagne sich auch Männer beteiligen, fordern die Absetzung der Serie und die Ergreifung aller notwendigen Maβnahmen, um Vergewaltigungen zu verhindern.

ANKLAGE IN IZMIR

Frauenorganisationen in Izmir versammelten sich vor dem dortigen Gerichtsgebäude. Sie wandten sich aufgrund eines Sketches, der Vergewaltigung ins Lächerliche zog, gegen den Sender Habertürk und dessen Programmleiter Ali Poyrazoğlu. Aufgrund von Headlines wie „Fatmagül-Gummipuppe‟ und „Fatmagüls Höschen‟ zeigten sie die Zeitung Habertürk an.

Im Namen der Gruppe gab die Anwältin Nazan Sakallı eine Erklärung ab: „Die Art, wie diese Serie der Gesellschaft angeboten wird, wie darin Gewalt gegen Frauen unsichtbar gemacht und als Sexualität dargestellt wird, regt eine solche Mentalität weiter an. Wir sagen klar und deutlich, wir Frauen finden Vergewaltigung weder komisch noch vergnüglich, noch sexy oder erotisch. Wir lachen nicht über so etwas, wir sind nicht davon erregt, wir empfinden kein Vergnügen dabei.‟

An die Regisseurin und die weiblichen Schauspielerinnen der Serie „Was ist Fatmagüls Verbrechen?‟ gewandt, setzte Sakallı einen Aufruf hinzu: „Wir erwarten eine Reaktion von Ihnen darauf, dass eine von Ihnen produzierte Fernsehsendung um der Quote willen auf diese Weise präsentiert wird. Wir wollen Ihre Stimme an unserer Seite hören!‟

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