01 Dezember 2010, Mittwoch

Ergebnisse des Kongresses‚ 'ArbeiterInnenbewegung und Neue Medien'

Der vom Zentrum für Soziale Forschungen und Bildung und Emekdunyasi.Net organisierte Kongress „Entwicklungen der Internettechnologie, Neue Medien und ihre Möglichkeiten für die ArbeiterInnenbewegung‟ hat am 27. November im Taxim Hill-Hotel stattgefunden.

Am Kongress nahmen Vertreter und Mitglieder der Gewerkschaften Birleşik Metal-İş, Harb-İş, Koop-İş und Tez-Koop-İş, sowie JournalisInnen, AktivistInnen und AutorInnen teil. Auch der US-amerikanische LabourStart-Vertreter Eric Lee trug mit einem Vortrag zum Kongress bei.

BEDÜRFNISSE DES KAPITALS

Das Einleitungsreferat wurde vom Projektkoordinator TAREMs, Gökhan Biçici, gehalten. In einem Überblick stellte Biçici Entwicklungen des Internets seit seiner Entstehung, grundlegende Dynamiken und Leitlinien der Arbeit TAREMs dar. Seit der Akkumulationskrise in den 1960er Jahren, so Biçici, sei das Kapital zu verstärkter Internationalisierung gezwungen gewesen: „Das Bedürfnis des Kapitals nach Beschleunigung hat bewirkt, dass ein Teil des produktiven Kapitals, der vorher in den Produktionsprozess einging, in den spekulativen Bereich gelenkt, also dass aus Geld Geld gemacht wurde. Diese Tendenz beinhaltet technologischen Wandel, den Anstieg von Kommunikations- und Informationstechnologien, Wissenstransfer - all dies zusammen ermöglicht den schnelleren Fluss von Geldkapital.‟ Das Internet sei indessen nicht nur unter diesem Aspekt seiner Funktion für das Kapital zu sehen, betonte Biçici. Insgesamt betrachtet stelle es einen bedeutenden „ökonomischen Raum‟ dar.

PROJEKTE TAREMS

Biçici, der seinen Beitrag mit dem Verweis auf Ergebnisse der 2008 von TAREM erstellten Untersuchung „ArbeiterInnen und Massenkommunikationsmittel‟ abschloss, kündigte die Entwicklung eines Programmes zur Zertifizierung von Bildungsveranstaltungen für Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit der Bilgi-Universität an. Ab Januar 2011 werde das Programm als Pilotprojekt beginnen; bislang hätten BetriebsvertreterInnen verschiedener Gewerkschaften in deren Istanbuler Niederlassungen an entsprechenden Veranstaltungen teilgenommen. Die Feldforschung vom Jahr 2008 werde im neuen Jahr aktualisiert und im Verlauf der ersten Monate des Jahres der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es handle sich um die bisher umfassendste Forschung in diesem Bereich.

10 JAHRE ERFAHRUNG - 10 LEKTIONEN

Nach Gökhan Biçici ergriff der LabourStart-Vertreter Eric Lee das Wort, dessen Beitrag den Titel "Zehn Jahre Aktivismus - zehn Lektionen‟ trug. „Wir haben in den 80er Jahren angefangen, das Netz zu nutzen. In den 90ern wurde begonnen, es für Nachrichten über Arbeitskämpfe zu nutzen; LabourStart ist zwölf Jahre alt. Internet heiβt nicht, dass face to face-Kommunikation unwichtig geworden wäre. Wir kommen über das Internet sogar zu mehr Kontakten‟, so Lee. Auf die Bedeutung von Sprachen hinweisend, hob Lee hervor, LabourStart veröffentliche Nachrichten in 30 Sprachen - der Internationale Gewerkschaftsverband ITUC hingegen biete auf seiner Website nur drei Sprachoptionen an.

Auf das KorrespondentInnennetzwerk von LabourStart bezogen, führte Lee aus, Arbeiterinnen und Arbeiter könnten sich selbst auf der Site als KorrespondentIn registrieren und Nachrichten einspeisen. Im Folgenden ging Lee auf die Bedeutung Sozialer Netzwerke und der ansteigenden Nutzung von facebook ein. Inspiriert durch facebook sei das Netzwerk Unionbook mit bisher 2500 NutzerInnen entstanden. In den letzten zehn Jahren sei die Bedeutung des Internet für an Nachrichten über die ArbeiterInnenbewegung Interessierte erheblich gestiegen. Eines von vielen Themen, die diskutiert werden müssten, sei die Verhaftung von GewerkschafterInnen in der Türkei. Abschlieβend wies Lee anhand eines Beispiels aus Irland auf die Möglichkeiten von internetbasierten Kampagnen hin und betonte die Wichtigkeit des World Wide Web für die arbeitende Klasse.

NUTZUNG DES INTERNET ALS MÖGLICHKEIT

Sebahattin Gerçeker, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Gewerkschaft Birleşik Metal-İş,  zeigte in seinem Beitrag auf, wie Bildungsangebote für ArbeiterInnen seit den letzten acht Jahren im Zuge der Anwendung neuer Technologien zunehmend auf positive Resonanz stieβen. 1995 habe er die Gewerkschaft das erste Mal auf das Internet angesprochen. „Wenn auch die Bedeutung und der Nutzen des Internet verstanden wird‟, so Gerçeker, „so gab es doch groβe Handicaps durch finanzielle Schwierigkeiten. Wir haben mit sehr alten Rechnern und unter schwierigen Bedingungen begonnen, unsere Site auf Türkisch und Englisch zu gestalten.  Gleichzeitig haben wir eine mailgroup gegründet, 800 Personen nahmen teil. Wir haben eine Audio-Bibliothek gegründet. Die meistbesuchte Site ist jedoch, wie wir festgestellt haben, die Fotogalerie.‟ Hinsichtlich einer Auswertung der Bildungsangebote für ArbeiterInnen fuhr Gerçeker fort, um der einseitigkeit der Website entgegenzuwirken, sei ein Forum eingerichtet worden. Zunächst habe es nicht genug Interesse an der Website gegeben; dies hätte sich jedoch mit der Einrichtung eines facebook-Profils geändert, und der Austausch sowie die Mitgliederzahl hätten seitdem bedeutend zugenommen.

Im Anschluss an die Vorträge gab es Workshops zur Mediennutzung von Arbeitenden, Gewerkschaften und deren Fachleuten sowie zu Vor- und Nachteilen Sozialer Netzwerke. Es wurde angekündigt, die Berichte aus den Workshops Gewerkschaften, weiteren Organisationen und der Presse zugänglich zu machen.

İstanbul -

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