19 Januar 2011, Mittwoch

ArbeiterInnen von UPS, PTT und Nemtrans in Istanbul

Während sich der Widerstand bei UPS nach 259 Tagen einem Erfolg nähert, haben die kämpfenden Arbeiterinnen und Arbeiter bei PTT und Nemtrans Aktionszelte aufgestellt.

Die Aktivitäten der aufgrund gewerkschaftlicher Organisierung entlassenen ArbeiterInnen bei UPS, dem Postunternehmen PTT und Logistikunternehmen Nemtrans gehen weiter. Während sich der Widerstand bei UPS nach 259 Tagen einem Erfolg nähert, haben die kämpfenden Arbeiterinnen und Arbeiter bei PTT und Nemtrans Aktionszelte aufgestellt.

Infolge der während neun Jahren AKP-Herrschaft intensivierten Outcourcing-Maβnahmen landen mehr und mehr ArbeiterInnen auf der Straβe oder arbeiten ohne Sozialversicherung. Jeden Tag gibt es neue Fälle von Entlassungen wegen gewerkschaftlicher Organisierung - doch auch der Widerstand dagegen weitet sich aus.

259. TAG DES WIDERSTANDS BEI UPS

163 UPS-Arbeiter, die in Ausübung ihres verfassungsgemäβen Rechts auf gewerkschaftliche Organisierung Mitglied bei der Türk-İş angeschlossenen Gewerkschaft TÜMTİS geworden waren, wurden daraufhin von der Unternehmensleitung entlassen. Sie befinden sich nunmehr seit 259 Tagen vor dem Umschlagzentrum in Mahmutbey im Widerstand; Arbeiterinnen und Arbeiter aus rund 30 Ländern solidarisierten sich mit ihnen. Gewerkschaftsvertreter gaben bekannt, der Widerstand werde mit aller Entschiedenheit fortgesetzt und die Verhandlungen dauerten an.

15 TAGE WIDERSTAND BEI PTT

Unter dem Vorwand  neuer Auftragsvergaben wurden 178 über einen Subunternehmer bei PTT Beschäftigte entlassen. Sie fordern ihre umgehende Wiedereinstellung und harren seit 15 Tagen in Zelten vor dem PTT-Generaldirektorat auf der europäischen Seite Istanbuls aus. Dem unter dem Motto „Ich leiste Widerstand für meine Arbeit und meine Würde‟ begonnene Arbeitskampf ewurden zahlreiche Solidaritätsbekundungen zuteil. Diese kamen v.a. von Baschäftigten aus verschiedenen Bereichen der PTT, von der Kernbelegschaft ebenso wie von bei Subunternehmern Beschäftigten. Die Aktivitäten würden fortgesetzt, bis eine versicherte Beschäftigung erreicht sei, wie Rıza Soylu im Namen der Kämpfenden mitteilte. Was bei PTT stattfinde, sei nur ein Beispiel der derzeitigen Privatisierungspolitik. Soylu wies auf den Kampf der Arbeiter gegen Outsourcing und Entrechtung in den Werften von Tuzla hin: am Erfolg von Zeynel Kızılaslan, der seine Arbeitsstelle zurückgewonnen habe, wolle man sich orientieren. „Er hat einen Kampf gegen Verbrechen am Arbeitsplatz und Subunternehmertum geführt und gewonnen. All dies sind Beispiele, sie machen uns Mut und stärken unsere Entschlossenheit‟, so Soylu.

ZELT ZWISCHEN DEN PLAZAS

Auch 45 ArbeiterInnen des an die Bank der Arbeit (türk. İş Bankası) angegliederten Unternehmens Nemtrans, die Mitglieder der DİSK-Gewerkschaft Nakliyat İş geworden waren, wurden gefeuert. Sie begannen einen Marsch von ihrem Arbeitsort Gemlik bis nach Levent/ Istanbul, wo sich die Zentrale der İş Bankası befindet. Dort stellten sie Zelte auf und starteten Aktionen. Bis zu ihrer Wiedereinstellung wollen sie dort zwischen den Wolkenkratzern bleiben und gegen die fortschreitende Auslagerung von Arbeit in Subunternehmen protestieren.

Ali Rıza Küçükosmanoğlu, Vorsitzender der Gewerkschaft Nakliyat İş, erklärte, obwohl die Gewinne der İş Bankası in den letzten zwei Jahren um 50 % gestiegen seien, habe diese erklärt, sich aus dem Liefer- und Logistikbereich zurückziehen zu wollen und bereite so den Boden für Entlassungen. Diese Erklärung zu einer Zeit, in der bei Nemtrans um gewerkschaftliche Organisierung gekämpft werde, gebe zu denken, so Küçükosmanoğlu. „Ist diese Idee der İş Bankası-Leitung etwa nicht umsonst gerade jetzt gekommen?‟, so fragte er. „Wir werden hier im Zelt mit den Arbeiterinnen und Arbeitern ausharren, bis sie ihr Recht bekommen. Die İş Bankası wird von ihrer arbeiterfeindlichen Haltung absehen und sich an die uns vom Ministerium gegebene Vertretungsvereinbarung halten müssen.‟

EmekDunyasi.Net