03 Februar 2011, Donnerstag

Widerstand bei UPS gewinnt

Der 272 Tage andauernde Widerstand bei UPS hatte Erfolg: die aufgrund gewerkschaftlicher Organisierung entlassenen Arbeiter wurden wieder eingestellt. Die Gewerkschaft TÜMTİS und UPS unterzeichneten ein gemeinsames Protokoll zur Beilegung des Arbeitskampfs.

Der 272 Tage andauernde Widerstand bei UPS hatte Erfolg: die aufgrund gewerkschaftlicher Organisierung entlassenen Arbeiter wurden wieder eingestellt. Die Gewerkschaft TÜMTİS und UPS unterzeichneten ein gemeinsames Protokoll zur Beilegung des Arbeitskampfs.

151 der in Istanbul, Izmir, Ankara und Balıkesir beschäftigten und bei TÜMTİS organisierten Arbeiter kehrten heute wieder an ihre Arbeitsplätze zurück.

Einer Erklärung der Gewerkschaft zufolge wurden nach längeren Verhandlungen ein 'Goodwill'-Protokoll von beiden Seiten unterschrieben. Gemäss der getroffenen Vereinbarung kehrten 151 Beschäftigte an ihre Arbeitsplätze zurück; ihnen werden für vier Monate Entschädigung, denen die nicht zu UPS zurückkehren 12 Brutto-Monatslöhne Kündigungsabfindung gezahlt.

DANK AN DIE UNTERSTÜTZERiNNEN

In der Erklärung hiess es weiter: "Wir als Gewerkschaft danken den Arbeitern und ihren Familien für ihren beharrlichen und mutigen Kampf um ihre Arbeitsplätze, ausserdem allen die diesen Kampf durch Besuche, auf materielle und ideelle Weise unterstützt haben; wir danken unseren Schwestergewerkschaften, die an Presseerklärungen teilgenommen haben, den Organisationen der Arbeit, unserem Verband TÜRK-İŞ, politischen Parteien, demokratischen Massenorganisationen und Fangruppen sowie Medien, die über unseren Kampf berichtet haben, unseren Dachorganisationen ETF und ITF und ihren Mitgliedern, die in vielen Ländern Solidaritätsaktionen organisiert und uns mit grosser Hingabe unterstützt haben."

WAS WAR PASSIERT?

UPS, eines der weltweit grössten Unternehmen im Frachtbereich, beschäftigt in der Türkei insgesamt 5000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Nachdem der Leitung bekannt geworden war, dass unter diesen ein Prozess gewerkschaftlicher Organisierung begonnen hatte, wurden am 21. April 2010 in Istanbul, İzmir und Ankara 33 Beschäftigte entlassen. Diese begannen noch am selben Tag mit einem Widerstand, der erreichte dass von 25 in Istanbul entlassenen Arbeitern 24 wieder eingestellt wurden. Hiernach gingen die Entlassungen jedoch weiter, insgesamt wurden die Verträge von 162 Beschäftigten annulliert.

Insbesondere an den Istanbuler Umschlagplaetzen in Mahmutbey und Kurtköy sowie in Izmir organisierte sich entschlossener Widerstand. Dazu formierte sich eine landesweite Kampagne, die von Gewerkschaften, demokratischen Massenorganisationen, Berufsverbänden, politischen Parteien, Intellektuellen und Fangruppen getragen wurde und die Unterstützung breiter Kreise erreichte.

Der  272-tägige Widerstand bei UPS ist einer der wenigen langandauernden Arbeitskämpfe, die mit einem Sieg endeten und stellt in vielem eine historisch neue Entwicklung für die ArbeiterInnenbewegung in der Türkei dar.

SOLIDARITAETSAKTIONEN IN 154 LAENDERN

Eine bislang beispiellose internationale Solidaritätskampagne, die die türkeiweite Unterstützung stärkte, macht die Bedeutung des Arbeitskampfes bei UPS für die ArbeiterInnenbewegung in der Türkei aus.

Zu erinnern ist beispielsweise an die 42. Generalversammlung der TÜMTİS-Dachorganisation ITF am 3 August 2010 in Mexiko, auf der für den 1. sowie den 15. September Aktionstage beschlossen wurden, an denen die angeschlossenen Gewerkschaften in 154 Ländern Solidaritätsaktionen organisierten.  Diese stärkten den Kampfgeist der Arbeiter in der Türkei in bedeutendem Masse und bildeten einen Meilenstein auf dem Weg zum jetzt errungenen Sieg. Als die UPS-Zentrale dennoch nicht einlenkte, intervenierte auch die Teamsters-Gewerkschaft in den USA, von deren Mitgliedern 200.000 bei UPS beschäftigt sind, in den Arbeitskampf. Unter dem Eindruck der nicht nachlassenden internationalen Solidarität begannen schliesslich Verhandlungen zwischen der UPS-Zentrale in Atlanta und der Gewerkschaft TÜMTİS.

"ENDE DER UNORGANISIERTHEIT IM TRANSPORTSEKTOR"

Die mit verschiedenen Auf's und Ab's bis heute andauernden Verhandlungen brachten mit dem unterzeichneten Protokolle einen bedeutenden Erfolg für die arbeitende Klasse in der Türkei. TÜMTİS arbeitet nun mit einer verstärkten Organisierungskampagne an der Zulassung als Gewerkschaft bei UPS.  Es wird mit einem raschen Organisierungsprozess unter den türkeiweit 5000 bei UPS beschäftigten ArbeiterInnen gerechnet, der auch auf die 40.000 unorganisierten im Transportsektor Beschäftigten ausstrahlen wird.