05 November 2010, Freitag

Türkische AutorInnen übersetzen ihre Bücher ins Kurdische

Türkische LiteratInnen haben ihre Absicht bekanntgegeben, sich mit Übersetzungen gegen die Unterdrückung und das Verbot muttersprachlicher Literaturen stark zu machen. Unter dem Motto „Allen Sprachen das gleiche Recht - keine darf zum Schweigen gebracht werden‟ wollen sie ihre Werke v.a. ins Kurdische übersetzen.

Die AutorInnen kamen einem Aufruf des Literaten Cezmi Ersöz zusammen und riefen gegen die Unterdrückung und das Verbot muttersprachlicher Literaturen, v.a. des Kurdischen, die Kampagne „Veröffentlicht unsere Bücher auf Kurdisch‟ ins Leben. In den Räumen des Istanbuler Menschenrechtsvereins İHD wurde eine Pressekonferenz organisiert. In einer Erklärung gab Cezmi Ersöz als Initiator der Kampagne bekannt: „Eine Sprache zum Schweigen zu bringen, ist unmöglich. Sie spricht auch, wenn man sie zum Schweigen verurteilt. Das ist vielleicht das Schwerwiegendste. Denn sie ist der Gedanke selbst. Die Sprache ist der Ausdruck dafür, dass auf einem gleichen Landstrich unterschiedliche geistige Strömungen zusammenleben.‟ Dieses Zusammenleben unterschiedlicher Sprachen, so betonte Ersöz, zerstückle ein Land nicht, sondern mache umgekehrt seinen Zusammenhalt erst aus. Der Versuch, zugunsten einer Sprache den anderen die Anerkennung zu verweigern, komme einer Sprachvernichtung gleich, so Ersöz. Die Sprache in Schrift und Wort sei das vertrauenswürdigste Dokument der Vergangenheit, fuhr er fort. Jede der vorhandenen Muttersprachen sei heilig, und die muttersprachliche Ausbildung ein fundamentales Menschenrecht.

ERGÜL: ZEIT DER WORTE IST VORÜBER

Nach Ersöz' Redebeitrag brachten weitere die Kampagne unterstützende LiteratInnen ihre Gedanken zum Ausdruck. Die Autorin Yelda Karataş benannte als Ziel, ihre Werke in alle in der Türkei gesprochenen Sprachen zu übersetzen. „Als Autorin und Lyrikerin, die unserer eigenen Muttersprache Respekt zollt, denke ich, dass keine der vertretenen Sprachen, das Kurdische eingeschlossen, verboten werden sollte.‟

Auch die Autorin Bilgesu Erenus sicherte der Kampagne ihre Unterstützung zu und ergänzte:„Ich bin in diesem Jahr hier als Bürgerin und Intellektuelle eines Landes, in dem nahezu in jeder Phase die politisch und wirtschaftlich Mächtigen nach Attentaten, deren Urheber unbekannt bleiben, in Ansprachen an die Einheit und Gemeinschaft erinnern.‟

Dr. Selim Temo Ergül formulierte seine Ansicht wie folgt: „Die so sehr in die Demokratie verliebte Regierung zeigt die gleichen Reflexe wie ehedem, wenn es um die Kurden geht. Sie reisst alle ihre Angelegenheiten an sich. Was es auch koste, die Oberhand behalten, alles okkupieren, den Wert der Würde zuschanden richten. Mein Volk hat im Laufe der Zeit viel zu viel dafür bezahlt, seine ihm zustehenden Rechte zu bekommen. Die Zeit der Worte ist vorüber.‟

Kovan Amedi, Generalvorsitzender der KOMKAR, hatte eine Unterstützungsbotschaft geschickt. Der Kampagne werde jegliche Unterstützung zuteil werden, Amedi darin. „Den Aufruf an türkische Autoren „Veröffentlicht unsere Bücher auf Kurdisch‟ sehe ich als richtig und bedeutend an. Für diese ehrenhafte Einstellung beglückwünsche ich Sie und ihre Freundinnen und Freunde.‟

Halil İbrahim Özcan vom Schriftstellerverein PEN brachte seine Ansicht zum Ausdruck, Schriftsteller müssten, um sich selbst, ihre Nachbarn und Freunde und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen, ihre Muttersprache verstehen. „Wenn ein Autor, ein Poet, ein Künstler Respekt vor der Geschichte hat, dann muss er auch die Sprache respektieren‟, fügte er hinzu.

Auch der Filmkünstler Yusuf Çetin drückte seine Achtung für das Vorhaben aus: „Ich kann von mir selbst sagen, dass ich bis heute meine Muttersprache nicht gut spreche, weil ich Kurde bin. In diesem Land führt eine rigide Assimilationspolitik das Zepter.‟

Im Anschluss an die Wortbeiträge stellten sich die beteiligten KünstlerInnen und VertreterInnen demokratischer Organisationen gemeinsam hinter die Forderung „Veröffentlicht unsere Bücher auf Kurdisch, um einen Beitrag zum Frieden zu leisten.‟

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