29 Mai 2011, Sonntag

FilmkünstlerInnen gegen Staudamm in Dersim

An den zunehmenden Protesten gegen den Bau von Staudämmen, die die Natur in Dersim bedrohen, beteiligten sich nun auch auch Filmschaffende. Im Rahmen des Dersim-Filmfestival für Menschenrechte protestierten Dutzende von von ihnen mit einem Fackelzug gegen die Staudämme.

Im Anschluss an den im Rahmen des Dersim-Filmfestivals für Menschenrechte gezeigten Film "Schatten und Formen" spannten die vor dem Kino 62 versammelten FilmkünstlerInnen Transparente mit der Aufschrift "Wir wollen in Dersim keinen Staudamm, wir wollen Kino" auf. Die in großer Zahl erschienenen FilmemacherInnen, unter denen sich auch die bekannten Regisseure Derviş Zaim, Ümit Kıvanç, Haluk Ünal und Shiar Abdi befanden, protestierten mit einem Fackelzug bis nach Gola Çetu ziehend gegen den Staudamm.

Die Gruppe, der sich auch der Bürgermeister Edibe Şahin und der als unabhängiger Abgeordneter kandidierende Künstler Ferhat Tunç  angeschlossen hatten, demonstrierte mit Slogans wie "Wir wollen keinen Staudamm in Dersim", "Nein zu Staudämmen, der Munzur soll frei fließen", "Wir wollen keinen Staudamm, wir wollen Kino". In Gola Çetu hielt der Regisseur Ümit Kıvanç eine kurze Rede.

"EINE REGELRECHTE NATURKATASTROPHE"

Kıvanç sagte: "Manche Menschen sehen nur Wasser, wenn sie aufs Wasser schauen. Manche sehen nur Felsen, wenn sie auf Felsen schauen. Manche hingegen schauen aufs Wasser und denken sich dabei, wieviel Geld sie verdienen könnten, wenn sie einen Staudamm bauen würden. Das was hier geschieht, ist eine regelrechte Naturkatastrophe. Um den Bau von Staudämmen zu stoppen, braucht es noch wirkungsvollere Aktionen."

Bürgermeister Edibe Şahin, der nach Kıvanç das Wort ergriff, wies auf den Bau von Staudämmen für Wasserkraftwerke in Alliaoni, Karadeniz, Hasankeyf und einigen weiteren Orten in der Türkei hin und sagte, dass das gleiche Schicksal nun auch den Munzur und damit Dersim ereilen würde. Şahin machte darauf aufmerksam, dass mit dem Bau der Staudämme darauf hingearbeitet werde, die Natur und Kultur Dersims zu zerstören. Er sagte, dass er alles in seiner Macht stehende tun würde, um den Bau der Staudämme zu stoppen.

Der nachfolgend sprechende Ferhat Tunç hob hervor: "Wir haben hier Demonstrationen mit 20 000 Personen starker Beteiligung organisiert, um den Bau der Staudämme zu stoppen. In dieser Stadt ist jeder gegen den Bau der Staudämme. Trotzdem geht der Bau, der eine Überflutung von Stadt und Kultur zu Folge haben wird, weiter. Indem die Regierung mit Nachdruck den Bau vorantreibt, wird abgesehen von Natur und historischen Gütern auch was Vertrauen angeht ein hoher Tribut verlangt. Das ist nur eine weitere Version des Blutbades in Dersim von 1937-38."

Im Anschluss an die Reden wurde der 17minütige Dokumentarfilm "Wallfahrt" gezeigt, der die Sehenswürdigkeiten ins Blickfeld rückt, die den Staudämmen zum Opfer fallen würden. Nach der Filmvorführung klang die Demonstration mit einem Konzert aus.

DERSİM- DİHA Übersetzung: RH